Wegwerfwindeln praktisch – oder?

Wegwerfwindeln sind auf den ersten Blick extrem praktisch – oder …?

Wegwerfwindeln (WWW) sind auf den ersten Blick unwahrscheinlich praktisch. Neugeborene müssen ziemlich häufig und mit WWW bleibt die Kleidung trocken, aber…

  • WWW können viel Chemie beinhalten (je nach Hersteller und Modell unterschiedlich): Superabsorber aus Polymersalzen, Kunststoffe Polypropylen (PP) und Polyethylen (PE), Copolymer aus Acrylsäure, Vaseline, Stearylalkohol, dünnflüssige Paraffine, Aloe Barbadensisis, synthetischer Kautschuk und Dioxine. Die Lotion kann bestehen aus dem Farbstoff Ci 61565, Paraffinum Liquidum und Petrolatum. Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat wurde ebenfalls in einigen Windeln gefunden. Langfristige Folgen und Auswirkungen von all diesen Stoffen sind schwer abzuschätzen.
  • WWW sind „schwarze Löcher“ , weil die Popos unserer Babys so schön trocken bleiben. Ausschließlich mit WWW gewickelte Kinder verlernen die angeborene Kontrolle über ihre Ausscheidungen und sind tendenziell später sauber und trocken (Zunahme an Bettnässern/Enuresis). Das bedeutet einen längere Wickelzeit mit anschließender Sauberkeitserziehung, welche je nach Kind mehrere Monate bis Jahre andauern kann.
  • WWW begünstigen frühkindliche Blasenentzündungen (besonders bei Mädchen) und stehen im Verdacht Ursache von Unfruchtbarkeit bei Jungen zu sein. Die Hoden werden in der WWW im Hochsommer oder dick eingepackt mit Matschhose im Winter viel wärmer.
  • WWW sind teurer als ein Baby mit Stoffwindeln zu wickeln. Bis ein Kind trocken ist, investiert man ca. 2.000-4.000€ in Wegwerfwindeln, während man für 200-400 EUR Stoffwindeln für die gesamte Wickelzeit bekommt. Letztere haben neben einem viel schöneren Design außerdem noch einen guten Wiederverkaufswert und das zweite Kind wickelt man umso günstiger. Zum Wasserverbrauch (Produktion von WWW vs. Waschen von Stoffwindeln) gibt es verschiedenste Aussagen. Ich persönlich vergleiche Stoffwindeln mit Unterhosen oder Kleidung und sehe deshalb kein Problem darin diese genauso zu waschen – zumal mit Windelfrei sowieso weniger dreckige Stoffwindeln anfallen. Hier findest Du ein paar Vorschläge zu einer Ausstattung für Windelfrei und auch Stoffwindeln.
  • WWW verrotten nicht und schwirren ca. 300-500 Jahren auf unserem Planeten herum (falls nicht in Hochleistungsöfen verbrannt). Die verwendeten Wegwerfwindeln überleben unsere Kinder! Ein Umweltproblem! Allein in Deutschland landen täglich 8,4 Mio. WWW im Müll. Pro vollzeitgewickeltem Kind fällt ungefähr 1 Tonne Windelmüll an.
  • WWW begünstigen die sogenannte „Kacksplosion„: Muss das Neugeborene groß, beschleunigt sich der Muttermilchstuhl in einer WWW relativ häufig bis zum Haaransatz hoch. Das Baby muss komplett umgezogen und gewaschen werden. In Stoffwindeln passiert dies wegen des Bündchens am Rücken weitaus seltener. Abhalten bei der Windelfrei-Methode macht es noch sauberer und einfacher. Wie man das erkennt, erkläre ich Euch in einem meiner Windelfrei-Kurse.

Ja, WWW sind praktisch, aber nur kurzfristig. Langfristig sorgen WWW für große Müllberge, höhere Kosten und führen zu späterem Trockenwerden, teilweise sind gesundheitliche Auswirkungen die Folge. In der Gesamtbetrachtung spart Ihr durch Windelfrei und Wickeln mit Stoffwindeln viel Zeit und Geld und wahrscheinlich auch eine Menge Nerven bei der späteren Sauberkeitserziehung.

Aber WWW und Windelfrei schließen sich nicht aus und sind auch nicht verboten. Die Voraussetzung ist allerdings, dass nicht auf Dauer 24/7 WWW am Popo des Kindes sind und Ihr weiterhin mit Eurem Kind über sein Bedürfnis kommuniziert. Wie das funktioniert, erfahrt Ihr in dem Windelfrei-Kurs bei mir. Ansonsten hier meine Empfehlung für WWW mit tendenziell weniger Chemie.

Fairwindel – kompostierbare Einwegwindel

Die Einwegwindel von Fairwindel besteht zu 80% aus nachwachsenden Rohstoffen und verzichtet vollständig auf erdölbasierte Superabsorber (alle andere haben einen!). Statt Erdöl nutzt Fairwindel die Saugkraft von Kartoffelstärke, sie verzichten auf Parfüme und Lotionen sowie bunte Bilder. Sie ist frei von Chlorrückständen (TCF) und hypoallergen. Produziert wird die Windel in Deutschland und der Schweiz. Unterstützenswert ist allein schon die Mission des jungen Unternehmens die Wegwerfwindel komplett kompostierbar zu machen.

Naty Ökowindeln

Die Ökowindeln von Naty verzichten auf Chlor, Duftstoffe und Latex und verwenden natürliche, nachwachsende Rohstoffe, wie bspw. Folie aus nicht genveränderter Maisstärke. Das führt dazu, dass diese Windel atmungsaktiv und die Folie kompostierbar ist. Den verwendeten Mais kann man beim Auspacken der Windel riechen, was ganz angenehm im Vergleich zu anderen Produkten ist.

Lillydoo

Die Lillydoo-Windel ist ohne Parfüme, Lotionen und Farbstoffe. Die Bündchen sind latexfrei. Außerdem ist das Produkt vegan! Die Windel enthält chlorfrei gebleichten Zellstoff aus zertifiziert nachhaltiger Forstwirtschaft. Sie ist ebenfalls atmungsaktiv und in unterschiedlichen Designs erhältlich. Die Lillydoo verfügt über mehrere Labels bzw. Zertifizierungen: Asthma-Allergy Denmark, dermatest: sehr gut und Nordic Ecolabel. Diese Windel erhält man mit etwas Glück in der Drogerie vor Ort oder online vom Hersteller.

Mit Feuchttüchern ist es ein ähnliches Dilemma! Da ist mehr drin als wirklich sein muss. Häufig reagiert darauf auch der zarte Babypopo. Feuchttücher einfach selbst machen – das zeige ich dir HIER!

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Quellen:

Die-besten-Stoffwindeln.de